Strandkörbe
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Strandkörbe sind in nahezu allen Urlaubsorten und Seebädern der Nord- und Ostsee in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zu finden und können von Frühjahr bis Herbst üblicherweise bei Strandkorbvermietern gemietet werden.

Die Sonne scheint und das Meer ruft – blaues Wasser, wolkenloser Himmel, strahlender Sonnenschein und traumhaft weißer Sand. Frisch eingeölt wird es sich nun auf dem Handtuch bequem gemacht. Aber ist „Handtuch“ und „bequem“ nicht ein Widerspruch in sich? Schnell merkt man, dass diverse Sandhügel an unliebsamen Stellen dem ergonomischen Liegestil einen Strich durch die Rechnung machen. Auch ist die Grenze zwischen Strandtuch und Sand leider verschwindend gering, sodass Sandkörner für ein unfreiwilliges Hautpeeling sorgen. Vorbei die Illusion des entspannten Strandtages. Doch es gibt ihn…den Held des Sommers, der uns aus dieser Misere befreit: Der Strandkorb! Majestätisch und anmutig steht er da und wartet jederzeit auf neue Insassen. Er besteht aus einem zweiteiligen Holzgestell mit Korbgeflecht, sein oberes Element bildet eine halbrund gewölbte, überdachte Sitznische, die in verschiedene Liegepositionen nach hinten absenkbar ist. Es gibt den Strandkorb als Einzelgänger oder auch als Herdentier.

Gemeinsames Merkmal eines jeden Exemplars ist die verstellbare Rückenlehne, die in verschiedene Liegepositionen nach hinten absenkbar ist, eine ausziehbare Beinablage, Sonnenmarkise sowie ein praktischer Ausklapptisch, der locker Platz für eine Schale Erdbeeren und ein Glas Prosecco bietet. Diese Details bieten dem Nutzer einige Bequemlichkeiten. Auch die vorgezogenen Seitenteile sind charakteristisch für den besten Freund eines jeden Strandgängers. Eigens als Schutz gegen Wind, Sonne, Regen und fliegenden Sand konstruiert, sorgt der Strandkorb, mit seiner Auskleidung mit wetterfestem Stoff, für angenehmen Sitz- und Liegekomfort bei jedem Wetter. Dabei war das Sitzmöbel aus Korbgeflecht ursprünglich im 17. Jahrhundert in niederländischen Bürger- und Bauernhäusern vertreten. Hier diente es vor allem zum Schutz vor Zugluft in großen und kalten Wohnräumen und Fluren.

Meergast Infografik

Die ersten deutschen Seebäder entstanden gegen Ende des 18. Jahrhunderts, an der Ostsee 1793 mit der Gründung von Heiligendamm und an der Nordsee 1797 mit der Eröffnung einer Seebadeanstalt auf Norderney. Die Entfaltung der Seebäder brachte eine Badekultur mit sich, die medizinische Hintergründe hatte und bestimmten Regelungen zur Einhaltung der Sittlichkeit unterworfen war. Diesen Entwicklungen Rechnung tragend, übernahm man aus englischen Seebädern die Ideen von Strand-Einrichtungen wie Badehütten aus Holz, Stroh oder Lehmfachwerk – regional auch Luftschnapper genannt – und insbesondere Badekarren und an der Nordsee 1797 mit der Eröffnung einer Seebadeanstalt auf Norderney.

Der Rostocker Hof-Korbmachermeister Wilhelm Bartelmann gilt als Erfinder des Strandkorbs, den ersten baute er 1882. Überliefert ist in diesem Zusammenhang die Entstehungsgeschichte, nach der sich im Frühjahr 1882 eine an Rheuma leidende ältere Dame namens Elfriede von Maltzahn eine schützende Sitzgelegenheit für den Strand wünschte, um trotz Krankheit einen Sommeraufenthalt in Warnemünde genießen zu können. Der Hof-Korbmacher-Meister schuf daraufhin einen Einsitzer aus Weiden- und Rohrgeflecht, den er mit einem grauen Markisenstoff überzog. In der Form war er den Strandstühlen der Nordsee ähnlich; es wird vermutet, dass er sich von Ernst Freeses Zeichnungen für Korbmacher inspirieren ließ. Die Erfindung wird Bartelmann aber zugesprochen, da er für die bald eintreffenden Folgebestellungen die Sessel weiterentwickelte. So baute er binnen kurzem den Zweisitzer und versah die Möbel mit Details wie Markisen, Fußstützen und Seitentischen. Es entstand der Prototyp, der sich binnen weniger Jahre an Ost- und Nordsee ausbreitete.

So kam der Strandkorb auch an unsere Küsten und bringt seitdem diverse Sonnenanbeter sonnenbrand-, wind- und sand-frei durch den Sommer.

Viele freuen sich immer wieder an den Küsten auf entspannte Stunden in einem unverzichtbaren Urlaubskumpane